Warum der Umgang mit Daten kritisch für den Anlagerfolg ist

14
.
April
2023
·
Investieren und Geldanlage

„ChatGPT, schreib mir eine Aktienempfehlung, damit ich investieren kann“ – so oder so ähnlich könnte es klingen, wenn man den KI Chatbot um Rat in Sachen Geldanlage bittet. Aber ist das wirklich eine gute Idee? Trotz der gigantischen Datenmengen, die das KI-Modell verarbeitet, verfügt sie weder über eine Zulassung jedweder Art noch wird sie von der BaFin beaufsichtigt. Ganz ähnlich verhält es sich mit einer anderen, mittlerweile sehr beliebten Informationsquelle insbesondere junger Anleger: den sogenannten „Finfluencern“. Also Reichweiten-starken Social Media Accounts, bspw. auf Instagram, Twitter oder YouTube, die sich primär mit Finanzfragen beschäftigen.

YouTube vs. Börsenbrief

Eine aktuelle Studie, bei der eine Befragung unter Followern dieser Accounts durchgeführt wurde, kommt zu einem spannenden Ergebnis: Fast die Hälfte aller Befragten hat sich schon einmal bei einer Investition von einer Empfehlung eines Finfluencers leiten lassen. Wer jetzt sagt, es handele sich dabei ausschließlich um ein Phänomen der jüngeren Generation, ist womöglich vorschnell mit seinem Urteil. Denn, etwas zugespitzt gesagt: Was die YouTube Accounts von heute sind, waren gestern noch die Börsenbriefe. Und auch bei denen gab es seriöse und weniger seriöse Absender.

Informationsüberfrachtung ist ein Problem

Längst nicht jeder Finfluencer ist ein Scharlatan. Viele betreiben hochwertige Informations- und Aufklärungsarbeit in Sachen Kapitalmarkt und Geldanlage. Und wie lässt sich der Unterschied erkennen? Gar nicht so leicht. Das wiederum führt uns zu einer übergeordneten Problemstellung des Informationszeitalters: die Schiere Menge an verfügbaren Informationen. Das gilt selbstverständlich insbesondere auch für den Kapitalmarkt und Aktien. Relevante Informationen zu filtern und so zu verstehen, dass sie einen Mehrwert liefern, ist keinesfalls trivial, sondern heutzutage eine Herkulesaufgabe.

So wirken sich kognitive Fehler aus

Nicht zuletzt deshalb, weil der Mensch in der Verarbeitungvon Informationen bestimmten „Biases“ oder kognitiven Verzerrungen ausgesetztist, die ihm das Leben deutlich erschweren. Drei prominente Beispiele möchteich hier anführen:

Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

Diese Verzerrung führt dazu, dass ein Mensch dazu neigt, Informationen so zu sammeln, zu selektieren und zu analysieren, dass sie bereits vorhandene Einstellungen oder Sichtweisen bestätigen. Passend dazu werden solche Informationen, die den Erwartungen widersprechen, vornehmlich ausgeblendet oder abgewertet.

Verfügbarkeitsfehler (Recency Bias)

Dieser Begriff beschreibt den Umstand, dass der Menscheinfach verfügbare Informationen in ihrer Bedeutung überbewertet und weniger leicht verfügbare Informationen vernachlässigt. Die Verfügbarkeit kann beispielsweise zeitlich oder durch besondere mediale Präsenz bedingt sein. Ein Beispiel: Wer die Nachrichten zum Bankensektor in den USA verfolgt hat, geht womöglich eher davon aus, dass ein Zusammenbruch des Bankensystems wahrscheinlich ist als jemand, der diese Nachrichten nicht verfolgt hat. Diese Wahrnehmung spiegelt dabei aber nicht notwendigerweise die Faktenlage wider.

Verzerrungsblindheit (Bias blind Spot)

Dieser Ausdruck bezeichnet die Neigung, die eigene Wahrnehmung, das Denken und das Urteilsvermögen für objektiver zu halten als es eigentlich ist. Demnach wäre ein Mensch laut eigener Einschätzung nicht anfällig für die beiden zuvor beschriebenen kognitiven Verzerrungen oder zumindest weniger als seine Vergleichsgruppe.

Was kann ich dagegen tun?

All diese Verzerrungen können letztlich dazu führen, dass Menschen und somit auch Anleger, fehlerhafte Entscheidungen treffen. Also stellt sich die Frage: Wie lassen sich diese Fehler vermeiden oder zumindest abmildern?

Tipp 1: Medienkonsum einschränken

Selbstverständlich müssen Anleger informiert bleiben. Aber der Konsum zu vieler Wirtschafts- und Finanznachrichten, gerade via Social Media, kann auch kontraproduktiv sein. So kann es hilfreich sein, bestimmte Medienzeiten für sich zu definieren.

Tipp 2: Quellen ausbalancieren

Bei der Selektion von Informationsquellen ist es wichtig, eine gewisse Balance zu wahren, also auch Perspektiven zu berücksichtigen, die nicht die eigene Sicht der Dinge automatisch bestätigen. So können Informationen umfassender verarbeitet und eingeordnet werden.

Tipp 3: Langfristige Perspektive

Statt kurzfristige, aktuelle Marktnachrichten zu verfolgen, sollten Anleger bei der Auswahl ihrer Investments vor allem die Informationenberücksichtigen, die Aufschluss über die langfristige Perspektive bieten. Dazu gehören beispielsweise Fundamentaldaten von Unternehmen.

Tipp 4: Podcast anhören

Wie Anleger falsche Entscheidungen vermeiden können, haben wir auch in unserem Podcast „Die Frage ist doch…“ diskutiert. Die Episode finden Sie hier.

Fazit

Wir wissen: Diese Tipps sind kein Allheilmittel und Informationssammlung und-verarbeitung bleiben eine Herausforderung. Aber sie gehören zum Anlegen untrennbar dazu. Wer anlegen und seinen Aufwand in dieser Hinsicht reduzieren möchte, hat selbstverständlich die Möglichkeit auf einen Dienstleister wie Solidvest zurückzugreifen. Fairer Hinweis: Jede Form der Kapitalanlage birgt Verlustrisiken und auch ein Vermögensverwalter kann möglicherweise nicht jede Marktschwankung ausgleichen.

Marketing-Anzeige – Alle hier veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Die enthaltenen Aussagen geben die aktuelle Einschätzung der DJE Kapital AG wieder. Diese können sich jederzeit, ohne vorherige Ankündigung, ändern. Alle getroffenen Angaben sind mit Sorgfalt entsprechend dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung gemacht worden. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch keine Gewähr und keine Haftung übernommen werden.
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