Marktkommentar Oktober: Defensiv und ausgewogen in den Herbst

11
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October
2021
·
Marktkommentar

Sorgen um Unternehmensgewinne, Inflation und China dürften auch im kommenden Monat auf die Stimmung an den Märkten drücken, darum positionieren wir uns defensiver. Aus unserer Sicht attraktiv sind die Energie- und die Versicherungsbranche sowie Japan, während Technologietitel und China mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Autoren

Das Analystenteam von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. Einmal im Monat fassen sie ihre Ergebnisse zusammen. Im Gespräch mit dem Wall Street Experten und Finanzjournalisten Markus Koch geht der Leiter der DJE Research Abteilung, Stefan Breintner, auf die zentralen Thesen ein.

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Überblick September 2021

Im September sank der MSCI World Index auf USD-Basis um -4,3%. Historisch gesehen folgte auf einen schwierigen September oft auch ein schwieriger Oktober. In der Vergangenheit war der Oktober meist auch der volatilste Monat des Jahres. Derzeit lasten vor allem Inflations- und Zinssteigerungsängste sowie Sorgen um die chinesische Konjunktur auf den Märkten. Diese Probleme dürften vorerst bestehen bleiben, wodurch sich das Chance-Risiko-Verhältnis1 insgesamt verschlechtert. Daher halten wir vorübergehend etwas höhere Kasse-Quoten und positionieren uns vorsichtiger und weiterhin ausgewogen ohne große Sektor-Über- bzw. -Untergewichtungen. Eine Baisse nach klassischer monetärer Theorie, ausgelöst durch eine Bremspolitik bzw. eine Liquiditätsverknappung im System, erwarten wir aber nicht.

Fundamentale Aussicht

  • Gedämpfter Konsum und rückläufige Produktion in vielen Teilen des produzierenden Gewerbes in China
  • Druck auf die chinesischen (und stellenweise auch westlichen) Unternehmensgewinne 

Die Probleme rund um Chinas Immobilienriesen Evergrande und die Folgen für den gesamten chinesischen Immobilienmarkt sind möglicherweise bisher unterschätzt worden und könnten die chinesische Wirtschaft länger als erwartet belasten. Der chinesische Immobilienmarkt ist mit ca. 60 Billionen US-Dollar die größte Anlageklasse der Welt. Probleme auf dem Immobilienmarkt bzw. rückläufige Preise könnten den Reichtumseffekt drücken und damit den chinesischen Konsum stärker als erwartet belasten. Hinzu kommen die Probleme im produzierenden Gewerbe, für die auch der Staat verantwortlich ist: Der Strom wird zum Teil auf staatliche Anordnung hin abgeschaltet, denn China steht vor einem Energieengpass, hervorgerufen durch knappe Kohlevorräte, verschärfte Emissionsnormen und starke Nachfrage seitens der Hersteller. Die Gewinne von Firmen mit starkem Engagement in China könnten daher unter Druck kommen. Bei in Hongkong gelisteten Firmen scheint diese Entwicklung schon eingepreist aber die China-Gewinne vieler westlicher Firmen könnten erst einmal schwächer ausfallen als erwartet.

Monetäre Aussicht

  • Höheres Inflationsumfeld sollte bestehen bleiben
  • Basisszenario bleibt eine Normalisierung der Inflationsraten im Jahr 2022 und kaum Zinsschritte 2022/2023

Die Inflationsentwicklung bleibt eines der dominierenden Themen an den Kapitalmärkten. Wir gehen auch für die kommenden Monate von einer weiterhin erhöhten Inflation aus und rechnen dann mit einer Normalisierung innerhalb der nächsten zwölf Monate. Beunruhigend ist zuletzt die Entwicklung der US-Löhne und vor allem der Anstieg der Energie- bzw. Strompreise. Es besteht die Gefahr, dass die Energiepreise und die Lohnentwicklung die Inflation stärker treiben, als die Notenbanken in ihren Prognosen annehmen. Dann müssten sie schließlich doch restriktiver werden. Die Entwicklung muss daher weiter sehr genau beobachtet werden. Anhaltend hohe Inflationsraten setzen den Fed-Präsidenten Jerome Powell weiter unter Druck, und die US-Notenbank wird wohl bald mit ihrem Tapering-Prozess, also der Reduzierung der Anleihenkäufe, beginnen. Bis Mitte 2022 könnten die Anleihekäufe dann auf null heruntergefahren werden. In Europa ist eine Tapering-Diskussion dagegen noch weit entfernt, demzufolge erscheint Europa aus dem monetären Blickwinkel attraktiver.

Markttechnische Aussicht

  • Im Vergleich zum Vormonat verbessert
  • Fundamentale und monetäre Einflussfaktoren überwiegen derzeit

Die Markttechnik hat sich gegenüber dem Vormonat verbessert. Beispielsweise ist NAAIM2-Indikator, welcher die Investitionsquoten institutioneller Investoren misst, aktuell wieder bei 55% (nach 94% Anfang September). Das US-Put/Call-Ratio3 steht wieder auf neutral (nach einer überkauften Situation Anfang September). Die monetären und fundamentalen Einflussfaktoren überwiegen aber derzeit eindeutig, so dass wir aktuell nicht zu sehr auf die verbesserte Markttechnik setzen.

Sektoren und Länder Aussicht

  • Generell weiter auf ausgewogene Portfolios achten
  • Keine zu großen Über- bzw. Untergewichtungen
  • Defensive Titel bevorzugen

Wir halten grundsätzlich an eine ausgewogener Portfolioallokation ohne starke Über- bzw. Untergewichtungen fest. Weltweit hat sich im September vor allem der Energiesektor sehr gut entwickelt. Energie sollte aus dem Gewinnblickwinkel auch weiter ein guter Sektor bleiben. Interessant erscheint auch der Versicherungssektor. Der Sektor Gesundheitswesen, vor allem in den USA, scheint uns aktuell gegenüber dem Markt günstig bewertet. Vorsicht ist aus unserer Sicht angebracht bei hochbewerten Technologiefirmen, und das gilt regional vorerst auch für China. Den japanischen Markt halten wir dagegen weiter für attraktiv. Im September war Japans Börse eine der besten weltweit.

Währungen/Rohstoffe/Gold

  • Dollarstärke könnte anhalten
  • Edelmetalle und Rohstoffe unter Druck

Die jüngste Dollarstärke könnte anhalten. Rohstoffe und Edelmetalle leiden generell unter der US-Dollar-Stärke. Rohstoffe generell würden auch durch eine ausgeprägtere Wirtschaftsabschwächung in China Gegenwind erfahren. Der Ölmarkt könnte weiter eng bleiben, da einige OPEC-Staaten die Produktion kaum erhöhen und die amerikanischen Produzenten nicht stärker in den Markt zurückkommen. Gold schätzen wir weitgehend neutral ein. Allerdings bleibt die ETF-Nachfrage nach wie vor unterdurchschnittlich. Gold sollte dagegen weiterhin durch das negative Realzinsumfeld unterstützt bleiben.

 

Fachbegriffe

1 Chance-Risiko-Verhältnis (CRV): Kennzahl für Anlageentscheidungen. Das CRV beschreibt das Verhältnis des erwarteten Gewinns (Kursziel=Chance) zum möglichen Verlust (Risiko). Dieser Verlust wird in der Regel durch einen Stopp begrenzt. Die Differenz zwischen dem Einstiegspreis und dem Kursziel definiert die Chance, die Differenz zwischen Einstiegspreis und dem Verlustbegrenzungsstopp das Risiko. 2 NAAIM (National Association of Active Investment Managers): Der NAAIM-Exposure-Index bildet das durchschnittliche Engagement seiner Mitglieder an den US-Aktienmärkten ab. Der NAAIM-Index ist nicht vorausschauend, sondern bietet einen Einblick in die tatsächlichen Anpassungen, die aktive Risikomanager in den letzten zwei Wochen an Kundenkonten vorgenommen haben.

3 Put/Call-Ratio = Verhältnis zwischen Kauf- und Verkaufsoptionen. Wenn Verkaufsoptionen überwiegen, deutet dies nach vorherrschender Meinung auf eine negative Marktstimmung (Börsensentiment). Überwiegen dagegen Kaufoptionen, deutet dies aus dieser Sicht auf eine positive Marktstimmung. Tatsächlich ist häufig nach hohen Put-Call-Verhältnissen ein Ansteigen der Kurse zu beobachten. Die PCR gilt deshalb als ein Kontraindikator. Dabei ist zu beachten, dass unter normalen Bedingungen weniger Verkaufsoptionen als Kaufoptionen nachgefragt werden; eine ausgeglichene PCR nahe 1 gilt daher schon als Anzeichen einer leicht negativen Marktstimmung.

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